Archiv 2008/09

Wie es euch gefällt
Der Schnitt & Alkestis
Pool (no water)
Brot und Spiele
La Bohéme
Kommt ein Mann zur Welt
Personenkreis 3.1
Rent
Onkel Wanja
In der Einsamkeit der Baumwollfelder
Ein Traumspiel
Fairy Queen
Blaupause
Der arme Matrose
Absolventenvorsprechen 2008
Das Ballhaus
Die Stadt der Blinden
Absolventenvorsingen 2008
Time Step
Wiener Blut
Der Prinzipal
 
 
 

Wie es euch gefällt

Schauspiel von William Shakespeare in der Übersetzung von Frank Günther

Premiere: 16. Juli 2009
Freilichtbühne im Arkadenhof des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (Alte Münze)

Inszenierung: Mario Andersen
Bühne: Jörg Brombacher
Kostüme: Adriana Taratufolo
Choreographie: Katja Wachter
Musik: Martin Lutz
Dramaturgie: Benno Heisel 

Mit: Gisa Flake, Bettina Lieder, Natalia Rudziewicz, Julia Sontag, Luise Weiss, 
Robert Augustin, Philipp Börner, Marian Kindermann, Felix Steinhardt, Sebastian Streher, Urs Fabian Winiger

Wie es euch gefällt erzählt von Menschen auf der Flucht: Von Verbannten, Verzweifelten, Hoffnungsvollen, Jungen und Alten, Narren und Adligen, Herren und Dienern auf der Suche nach einem neuen Leben. Der Wald, in dem sie sich schließlich begegnen werden, verdichtet sich immer mehr zu einer Traumlandschaft – changierend zwischen paradiesisch und alptraumhaft. Alle werden hier etwas finden, aber niemand das, womit er gerechnet haben mag. Leichtigkeit, aber auch wütender Ernst der Liebe, verweben ihre Geschichten unaufhaltsam zu einem filigranen Verwirrspiel, aus dem zuletzt einige Paare hervorgehen, aber sich nichts in ungetrübtes Wohlgefallen auflöst. 

Nach dem großen Erfolg der Inszenierung von Ein Sommernachtstraum im vergangenen Jahr (Regie: Jochen Schölch), wird mit Wie es euch gefällt erneut ein Stück William Shakespeares auf der Freilichtbühne im Renaissancehof der Alten Münze zu sehen sein.

Der Schnitt & Alkestis

Premiere: 10. Juli 2009
Akademiestudio

Der Schnitt von Mark Ravenhill

Regie: Malte C. Lachmann
Ausstattung: Clara Wuigk
Dramaturgie: Simone Niehoff
Maske: Anne Zimmermann

Mit: Christian Streit, Frank Hennenhöfer-Richter

Alkestis von Euripides

Regie: Igor Pison
Kostüm: Genia Leis
Bühne: Maximilian Lindner
Dramaturgie: Anna-Sophia Güther

Mit: Rasmus Max Wirth, Martin Daniel Selle, Nina Vlaovic, Jochen Krug

Pool (no water)

von Mark Ravenhill
Deutsch von John Birke

Premiere: 3. Juli 2009
Akademiestudio

Inszenierung: Lena Kupatz
Dramaturgie: Laura Ellersdorfer
Bühne und Kostüme: Maximilian Lindner

Mit: Kim Bilobrk, Klaudia Schmidt, Beri Vranesic, Dave Wilcox

Eine Gruppe von Freunden, die sich auf der Kunstakademie eng zusammengeschlossen haben, ist ungeheuer eifersüchtig, als eine von ihnen eine sehr erfolgreiche Künstlerin wird. Sie besuchen sie, und als sie bei einem Unfall schwer verletzt wird, realisieren sie, dass sie sie als Material für ihr nächstes Werk nutzen können. (Mark Ravenhill)

Brot und Spiele

Drei Kurzopern (Uraufführungen)
Verena Marisa Schmidt: Der Volksentscheid am Nockerlberg
Stefan Johannes Hanke / Michaela Hanke: all in
Manuela Kerer: tickende polli

Premiere: 20. Juni 2009
Reaktorhalle

Musikalische Leitung: Ulrich Nicolai
Inszenierung: Antje Schupp
Bühne und Kostüme: Felicia Schick, Lilith Cremer
Dramaturgie: Martin Petschan

Mit: Brigitte Bayer, Monika Lichtenegger, Tobias Neumann, Samuel Jaime Santana u.a.
Instrumentalisten der Hochschule für Musik und Theater München

"Brot und Spiele" – mit dieser Strategie hielten die Feldherren im antiken Rom ihr Volk  bei Laune. Materieller Wohlstand und gute Unterhaltung sicherten ihnen die Sympathie der Untergebenen.
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Gerade in der Demokratie besteht zwischen Politikern und Bürgern ein gegenseitiges Machtverhältnis: Nur wer das Volk bedient, kann es beherrschen. Und weil sowohl Herrscher als auch Beherrschte dabei mitspielen, trifft die im Motto "Brot und Spiele" versteckte Kritik beide Seiten: die Herrschenden, weil sie mit öffentlichkeitswirksamer Großzügigkeit von wirklichen Problemen ablenken, und die Beherrschten, weil sie es nicht anders wollen.
"Brot und Spiele" verweist aber auch darauf, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt. In unserer Gesellschaft, wo Nahrungsmittel im Überfluss vorhanden sind, melden sich andere Bedürfnisse zu Wort: Man sucht Zeitvertreib, Herausforderung und Selbstbestätigung – und findet sie im Spiel. 
Und ist nicht die Politik selbst ein Spiel, bei dem es Gewinner und Verlierer gibt – und nicht zuletzt die Bürger als Zuschauer, die unterhalten werden wollen? Vielleicht steht hinter so manchem politischen Ereignis ein Drehbuch, das der Öffentlichkeit verborgen bleibt… 

La Bohème

Oper in vier Bildern von Giacomo Puccini 
Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica  nach Szenen aus Henri Murgers La Vie de Bohème
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln


Premiere: 17. Juni 2009
Großes Haus im Prinzregententheater 

Musikalische Leitung: Ulf Schirmer 
Inszenierung: Balázs Kovalik 
Bühne: Csaba Antal 
Kostüme: Angelika Höckner 
Dramaturgie: Andreas Lutzenberger 
Choreinstudierung: Martin Wettges 
Choreographie: Katja Wachter

Münchner Rundfunkorchester

Mit: 
Myung-Joo Lee, Anna Stylianaki, Vanessa Goikoetxea, Carolina Ullrich, Dimitrios Flemotomos, JunHo You, Christian Eberl, Min Kwon Han, Benjamin Appl, Ilhun Jung, Sebastian Campione, Toshimi Mori, Thomas Stimmel, Mauro Peter, Stefan Thomas

Das Leben der Bohème – ein Hochseilakt zwischen Ernst und Komik, ein Leben für den Moment, Künstler sein in allen Lebenslagen, ein Spiel zwischen Schein und Sein.

Paris. Eine Mansarde, eiskalt, kein Brennholz, stockfinster, Heilig Abend. Der Dichter, der Maler, der Philosoph und der Musiker frieren und leben von der Hand in den Mund. Sie erträumen sich eine Kunstwirklichkeit. Der Dichter lernt die Näherin kennen, sie verlieben sich. SCHNITT.
Der Boulevard, Lichter, Weihnachtstrubel. Das Quartier Latin. Der Dichter stellt sie seinen Freunden vor. Die Kokette kommt mit dem reichen Verehrer vorbei. Sie flirtet mit ihrem Ex, dem Maler. Ihre Liebe entbrennt erneut. Dem Reichen bleibt nur die Rechnung zu zahlen. SCHNITT.
Die Barrière d'enfer Ende Februar. Ein trostloser, eisiger Morgen. Beziehungen in der Krise. Der Dichter und die sterbenskranke Näherin wollen ihre Trennung bis zum Frühjahr aufschieben. Der Maler und die Kokette gehen im Streit auseinander. SCHNITT.
Die Mansarde, Monate später. Der Dichter und der Maler versuchen die Gedanken an ihre Verflossenen zu verdrängen. Noch immer kein Geld. Die Künstlerfreunde fingieren ein opulentes Festbankett. Die Näherin kehrt zum Dichter zurück, todkrank. Jede Hilfe kommt zu spät. AUS.

Puccinis Oper La Bohème, 1896 in Turin uraufgeführt, hat bis heute nichts von ihrer Faszinationskraft verloren: Beispiellos ist, wie Puccini die literarische Vorlage Murgers auf vier aufeinander folgende Bilder komprimiert, plastische Atmosphäre mit nur wenigen musikalischen Mitteln schafft. Der spielerisch-heiteren Ausgelassenheit der Bohèmiens stellt er kontrastreich den zarten Lyrismus des Liebespaars gegenüber.

Kommt ein Mann zur Welt

Schauspiel von Martin Heckmanns

Premiere: 16. Mai 2009
Akademietheater

Inszenierung: Louis Villinger
Dramaturgie: Brit Ullrich

Mit: Veronika Faber, Kolja Heiss, Anastasia Papadopoulou, Michael Tschernow

Geboren wird Bruno mit mindestens vier "Ausländern" im Kopf. Verzweifelt versucht er zeitlebens, diese Stimmen, die sein Tun auf Schritt und Tritt kommentieren, zum Verstummen zu bringen. Denn fremde Texte mit eigener Stimme singen will er nicht. Sein Vater drängt ihn zu Lebenszielen, denn nur so könne man erfolgreich sein. Doch Bruno will sich alle Möglichkeiten offen halten auf der Suche nach seiner eigenen Stimme und so wird er freier Künstler. Doch was ist schon wirklich wahrhaftig neu, dass man es als Kunst bezeichnen könnte? Individualität und Einzigartigkeit scheinen sich auszuschließen. Das Dilemma versucht Bruno mit Waffengewalt zu lösen, was ihn ins Gefängnis bringt. Dort schreibt er seinen ersten Hit und kommt ganz groß raus. Der Hype lässt nach und Bruno hätte gerne noch und wollte doch auch... Stattdessen bekommt seine Freundin ein Kind und sein Vater liegt im Sterben. Wofür Bruno sich entschieden hätte? - Für das Leben. Sein Vater findet das wenig originell.

Kommt ein Mann zur Welt entstand 2007 zum Spielzeitthema "Ich und Ich" im Auftrag des Düsseldorfer Schauspielhauses. Martin Heckmanns, der 2002 in einer Kritikerumfrage der Theater heute zum besten Nachwuchsautor gewählt wurde, schildert anhand Brunos Biografie das Paradox unserer Multioptionsgesellschaft, Individuen in Massen zu produzieren.

Personenkreis 3.1

Schauspiel nach Lars Norén
Deutsch von Angelika Gundlach
Textfassung von Gerda Marko für die Theaterakademie August Everding

Premiere: 23. April 2009
Akademietheater

Inszenierung und Bühne: Werner Haindl
Regieassistenz und Kostüme: Alia Luque
Choreografie: Katja Wachter
Dramaturgie: Sabine Klotzsche

Mit: Gisa Flake, Bettina Lieder, Natalia Rudziewicz, Luise Weiß, Robert Augustin, Philipp Börner, Marian Kindermann, Felix Steinhardt

Unter dem Begriff Personenkreis 3.1 versammelt sich für die schwedischen Behörden der Bodensatz der Gesellschaft: Drogensüchtige, psychisch Kranke, Arbeits- und Obdachlose, Zuhälter und Kleinkriminelle werden mit Hilfe dieses bürokratischen Euphemismus administrativ keimfrei und konversationstauglich gemacht.

Der Autor Lars Norén rückt die aus sozialen Systemen Ausgestoßenen in seinem 1998 uraufgeführten Stück ins Rampenlicht. Seine Figuren besitzen nur noch eine vage Erinnerung an gute Zeiten, doch die genuin menschlichen Fähigkeiten zu hoffen und zu träumen, sind ihnen noch nicht abhanden gekommen. Sie versammeln sich an einem verwaisten Ort – Inbegriff der Verlassenheit – und versuchen miteinander zu kommunizieren. Aus biografischen Fetzen und fragmentarischen Einblicken in ihre Lebensumstände schälen sich schemenhaft persönliche Tragödien, schicksalshafte Havarien und fehlgeschlagene Lebensentwürfe heraus. 

Die achtstündige Uraufführung des opus magnum, deren Inszenierung Lars Norén selbst in die Hand nahm, zeigte in Stockholm eine derart schockierende Wirkung, dass die Obdachlosenhilfe aufgestockt wurde.
In der Inszenierung von Werner Haindl wird die ungeheure Textmenge zu einem ausdrucksstarken, modernen Kammerspiel verdichtet. Die Schauspielstudenten des 3. Jahrgangs nehmen sich der Figuren Noréns an und schlüpfen somit in die Rollen derer, deren Platz man eigentlich niemals freiwillig einnehmen würde – geben ihnen Stimme und körperliche Präsenz. 

RENT

Buch, Musik und Liedtexte von Jonathan Larson
Deutsch von Wolfgang Adenberg

Premiere: 17. März 2009
Großes Haus im Prinzregententheater

Musikalische Leitung: Philip Tillotson
Inszenierung: Stefan Huber
Bühne: Michael S. Kraus
Kostüme: Anke Friedrich
Choreographie: Michael Schmieder
Dramaturgie: Carsten Deutschmann

Mit: Susanne von Lonski, Nina Vlaovic, Stephanie Marin, Marianne Curn, Karsten Kenzel, Thorsten Ritz, Florian Soyka, Martin Selle, Julian David

RENT ist das Porträt einer Gruppe junger (Lebens)Künstler am Rande der Gesellschaft. Ihre Existenz ist nicht nur von Selbstfindung, der Verwirklichung eigener Ideale und von Beziehungsproblemen bestimmt - als Kampf ums Überleben angesichts von Armut, Hunger, Drogen, Obdachlosigkeit und Aids ist sie auch mehr oder weniger ernsthaft gefährdet. Dem versuchen die jungen Leute mit hartnäckigem Optimismus und ihrer Liebe zum Leben zu begegnen – "Trotzdem leben!" heißt es für sie. Dem Autor und Komponisten Jonathan Larson dienten Henri Murgers Roman Scènes de la Vie de Bohème sowie Giacomo Puccinis Oper La Bohème als inhaltliches Vorbild. RENT wurde als Revolutionierung des amerikanischen Musicals und Wiederbelebung der Rockoper in der Nachfolge von Hair gefeiert. Für sein Werk, das unter anderem Tony Awards als "Bestes Musical" sowie für Partitur und Buch erhielt, wurde Jonathan Larson 1996 posthum mit dem "Pulitzer Prize" ausgezeichnet.

Onkel Wanja

Theaterstück von Anton Tschechow
Deutsch von Thomas Brasch

Premiere: 12. März 2009
Akademietheater

Inszenierung: Antje Schupp
Ausstattung: Lisa Horvath
Dramaturgie: Katharina Denk, Juliane Rahn

Mit: Christian Arndt Sanchez, Hubert Bail, Gisa Flake, Andreas Haun, Bettina Lieder, Helge Schupp

Tagaus, tagein schufteten Wanja und seine Nichte Sonja auf dem Landgut, das sie seit dem Tod von Wanjas Schwester allein verwalten. So finanzierten sie jahrelang die wissenschaftliche Karriere von Sonjas Vater Serebrjakow, Professor in Moskau. Als dieser emeritiert und sich zusammen mit seiner zweiten Frau Jelena im Haus einnistet, fällt Wanja in eine tiefe Krise. Er stellt die Aufopferung für Serebrjakows Erfolg infrage und die Arbeit ein – und verliebt sich in Jelena. Diese und Sonja haben jedoch nur Augen für den alkoholsüchtigen Landarzt Astrow, den man bei Wind und Wetter zu dem kranken Serebrjakow holt. Irgendwann fährt Astrow überhaupt nicht mehr ab, was vielmehr an Jelena, als an ihrem Mann liegt. Serebrjakow, den das Landleben mittlerweile anödet, entschließt sich, das Gut zu verkaufen, und löst damit eine Katastrophe aus.

Das 1899 uraufgeführte Drama des russischen Autors Anton Tschechow zeigt Menschen, die versuchen, sich aus den Fängen des Alltäglichen sowie der eigenen Unzulänglichkeit zu befreien. Menschen gelähmt von dem Gefühl, nicht so zu leben, wie sie eigentlich wollen. Damit einher geht die Notwendigkeit, dass sich etwas ändern muss. Letztendlich bleibt äußerlich alles so, wie es einmal war. Im Innern fühlen sie jedoch: Es ist überhaupt nichts mehr so, wie es einmal war.

Warum verhalten wir uns oft nicht so, wie wir gerne würden? Warum sind wir feige, wenn wir es nicht sein wollen? Warum fallen wir wider besseren Wissens doch immer wieder in die gleiche Schwäche zurück? Die Inszenierung folgt diesen Fragen und der Sehnsucht der Protagonisten nach Veränderung.

Bin auf jeden Fall noch am Leben. Vielleicht. (Charles Bukowski)

In der Einsamkeit der Baumwollfelder

Zweiter Versuch eines transgradialen Theaters
nach dem Bühnenstück von Bernard-Marie Koltès
Deutsch von Simon Werle

Premiere am 25. Februar 2009
Akademietheater

Inszenierung: Till Wyler von Ballmoos
Bühen und Kostüme: Emanuel Schulze
Dramaturgie: Rebecca Mack
Licht: Bernd Gatzmaga
Makse: Anja Schnatmann
Musik: Florian Volkmann

Mit: Benedikt Figel, Ina Meling

Zwei Menschen treffen aufeinander, sie wollen etwas, das sie vielleicht noch nicht benennen können, sie gehören zu den Menschen, die am Rande stehen, die dem Tod nahe sind, wenn nicht körperlich, dann seelisch. Es geht um Wahrheiten und Unwahrheiten, Verstellung, Tricks, Verlangen, Maskerade, Wünsche und die daraus resultierende Einsamkeit. Sie befinden sich an einem Ort der Fremde – im Theater?

Die zwei Figuren stehen als pars pro toto für Beziehungen zwischen zwei Menschen, die 
ohne einander nicht sein können.
Sie sind auf der Suche nach der Erfüllung von Wünschen, sei es das Erfüllen eines fremden Wunsches oder die Erfüllung des eigenen. Was ist dieser Wunsch? Ist es das Verlangen nach Körperlichkeit, nach Kontakt zu anderen Menschen, oder das Bedürfnis nach Überwindung von Ungerechtigkeit in der Verteilung der Macht oder der Wunsch, sich endlich zu vergewissern, dass man Mensch ist?

Ein Traumspiel

Theaterstück nach August Strindberg

Premiere: 13. Februar 2009
Akademietheater

Regie: Johanna Wehner
Ausstattung: Elisabeth Vogetseder
Dramaturgie: Sarah Israel

Mit: 
Demet Gül, Christina Haas, Anja Haeseli, Elna Lindgens, Robert Augustin, Philipp Börner, Sven Hussock

Im Jahre 1901 verfasst der schwedischer Autor August Strindberg das Drama Ein Traumspiel. Dieses poetische Mysterium folgt nach Angaben Strindbergs der Logik eines Traums in der Handlung, Ort, Zeit und Figuren jeglicher Stringenz enthoben sind. Das Stück variiert die  Thematik der beschwerlichen Suche des Menschen nach Glück und Erlösung und avanciert zu einem verdichteten Konglomerat von Symbolen und religiösen Konnotationen, in denen der Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit osziliert. Hinter der Systematik des Traums verbirgt sich bei Strindberg die Gefangenheit der Menschen in selbstgeschaffenen Lebensprinzipien, das Leiden daran und die Hilflosigkeit mit der der Mensch diesem Leid gegenüber steht.
Ein Traumspiel ist Strindbergs liebvoller aber gnadenloser Blick auf die Unfähigkeit der Menschen, ihr eigenes Glück aktiv in Angriff zu nehmen.
Worauf basiert der obsessive Drang in fragwürdigen Prinzipien und Systemen zu verharren? Katapultiert solcher Umgang mit der Wirklichkeit den Menschen nicht zwangsläufig in ein auswegloses Sehnen? Warum bleibt Glück nur eine Illusion? Und warum wehrt sich der Mensch gegen eine Verbesserung seiner eigenen Situation? 

Die Inszenierung Ein Traumspiel von Johanna Wehner kreist - ausgehend von Strindbergs Drama - um die altbekannten Fragen von Glück und Unglück und folgt den Möglichkeiten, Widrigkeiten und Konsequenzen auf dem Weg dahin. 

Irgendwo auf der Welt gibts ein kleines bisschen Glück und ich träum davon in jedem Augenblick. Irgendwo auf der Welt gibts ein bisschen Seeligkeit und ich träum davon schon lange, lange Zeit. Wenn ich wüßt’ wo das ist, ging ich in die Welt hinein, denn ich möchte’ einmal recht so von Herzen glücklich sein. Irgendwo auf der Welt fängt mein Weg zum Himmel an. Irgendwo, irgendwie, irgendwann. (Comedian Harmonist)

Fairy Queen

Semi-opera von Henry Purcell (1692)
Textfassung von Durs Grünbein nach Shakespeares Ein Sommernachtstraum

Premiere: 11. Februar 2009
Großes Haus im Prinzregententheater

Musikalische Leitung: Christoph Hammer
Inszenierung: Thomas Krupa
Bühne und Kostüme: Sebastian Hannak 
Choreographie: Ramses Sigl
Dramaturgie: Rebecca Graitl, Dominica Volkert

Neue Hofkapelle München

Mit: Isa Weiß, Maurice Klemm, Dimitrij Schaad, Frederic Linkemann, Michael Kranebitter, Saskia Phillips, Maximilian Widmann, Olivia Delauré, Kurosch Abbasi, Franziska Herrmann, Sonja Isemer, Julia Sontag, Guibee Yang, Sybille Diethelm, Katharina Osterwald, Rainer Siegenthaler, Kwang-Ho Choi, Saskia Dreyer, Christina Haas, Anja Haeseli, Myung-Joo Lee, Moon Yung Oh, Florian Peters, Christoph Rebelein, Gwendolyn Reid, Richard Resch, Roland Schneider, Wenonah Wildblood

Titania und Oberon laden ein zur großen Mittsommernachtsparty. Während den Gästen zunächst eine intakte Beziehung der Gastgeber suggeriert wird, verbirgt sich dahinter eine desillusionierte, zerstörte Seite ihres Zusammenlebens. Die Geladenen wollen die Realität eine Nacht lang hinter sich lassen. Schließlich führt die allgemeine Enthemmung dazu, dass die verhüllenden Masken fallen und die Feiernden nur mehr von Emotionen und Trieben gesteuert werden. Dies gipfelt in irrealen Grenzerfahrungen und Identitätsspaltungen, die sich zwischen Illusion und Aggression bewegen. 

In William Shakespeares Stück Ein Sommernachtstraum wird die Liebe als ambivalent und unbeständig erfahren. Es handelt von den Liebesverwirrungen zweier Paare, die bei Nacht das Reich des zerstrittenen Königspaars der Feen, Oberon und Titania, betreten. Erst im Tageslicht scheint es so, als könnten sich die richtigen Paare erkennen und als wären die Verwirrungen der Nacht nichts weiter als ein Traum gewesen... 

Die Semi-Oper The Fairy Queen von Henry Purcell (1659-1695) beruht auf dem Stoff von Ein Sommernachtstraum. Unter der Theaterform der Semi-Oper versteht man ein Schauspiel, das durch eingeschobene Gesangs- und Tanznummern erweitert wird. Die Semi-Oper ist eine englische Besonderheit des 17. Jahrhunderts und entstand durch eine Vereinigung des elisabethanischen Dramas, das beinahe gänzlich auf Bühnenbilder verzichtet hatte, und der üppig ausgestatteten höfischen Masque. 
Das Stück von Shakespeare wurde für die Semi-Oper 1692 anonym bearbeitet, wobei das Ergebnis starke Kürzungen waren, die vor allem zu Lasten der poetischen Sprache gingen. Die Poetik wurde völlig in die Musiknummern verschoben, der Text lieferte nur mehr das Gerüst der Handlung. Während die Sprechrollen dem Personal von Ein Sommernachtstraum entsprechen, öffnet sich in den Musiknummern an den Aktenden eine phantastische Welt, in der Feen und Allegorien auftreten. In der Musik beweist Purcell seine kompositorische Vielseitigkeit. Der musikalischen Ironie in seinen burlesken Nummern steht die atmosphärische Gestaltung einiger Arien gegenüber, in denen er Klangeffekte wie Echos oder imitierte Vogelstimmen verwendet. Eine besondere Meisterschaft besaß Purcell in der Verwendung des Basso ostinato, einer Bassmelodie, die ständig wiederkehrt. Diese Technik verwendete er eindrucksvoll in der elegischen Klage The Plaint in The Fairy Queen sowie in Didos Klage in seiner Oper Dido and Aneas

Blaupause

Theater-Performance in der Hofstatt

Premiere: 31. Januar 2009
Sendlingerstraße 8

Regie und Leitung: Jonas Zipf
Produktionsleitung: Julia Huber
Dramaturgie: Antonia Beermann, Luitgard Hagl
Bühne: Samuel Hof
Grafik: Markus Niessner, Henrik Haase
Licht: Bernd Purkrabek 
Video: Aron Kitzig, Felix Remter
Installationen: Patrick Timm, Julia Wallner, Fabian Hesse

Mit: 
Egbert Tholl, Christopher Schmidt, Rainard Brembeck, Julius Bornmann, Sonja Isemer, Isa Weiß, Franziska Herrmann, Luise Weiss u.a.

Nach 63 Jahren Verlags- und Redaktionsgeschichte im Zentrum Münchens ist die "Süddeutsche Zeitung" umgezogen. Jahrzehntelang waren die Räume in der Sendlinger Straße eine lebendige Bühne der Begegnung und der Auseinandersetzung. Ein Gebäude mit besonderem Charme, das die redaktionelle Arbeit durch seine Eigenarten und Vielfalt beeinflusste: Journalisten irrlichterten durch labyrinthische Gänge, vom Klinkerbau zum "Schwarzen Haus" am Färbergraben und hinüber in den Paternoster im Haupthaus. Am 3. November erschien die letzte in der Sendlinger Straße produzierte Ausgabe, nun steht das alte Jugendstil-Gebäude seit Wochen leer. Im Zuge der Grundsanierung des gesamten Areals werden hier Ladenflächen und Wohnungen entstehen. Wird die Stadt München so ein neues, bürgerlich geprägtes und lebendiges Hackerviertel zurückbekommen?

In seinem Diplomprojekt Blaupause setzt sich Jonas Zipf, Regiestudent der bayerischen Theaterakademie August Everding, mit diesem geschichtsträchtigen Ort und seiner Entwicklung auseinander. In szenischen Collagen literarischer Texte aus unterschiedlichen Epochen verschmelzen Vergangenheit und Zukunft des Gebäudes. Gemeinsam mit Team Odradek, einem Kollektiv von bildenden und darstellenden Künstlern, macht er sich auf Spurensuche und lädt den Zuschauer auf eine Reise ein, in der ein letztes Mal die Räume der großen Tageszeitung besichtigt werden können. Eine Reise durch Erinnerungen und Visionen, durch Vergangenheit und Zukunft. 
Dieses Projekt wird ermöglicht von o-team. Die Agentur setzt sich zum Ziel, Wirkungsräume und Chancen von Kunst in der Gesellschaft auszuloten und Theater für einen neuen Markt zu erschließen.

Der arme Matrose

Moritat in 3 Akten von Darius Milhaud
nach dem Libretto von Jean Cocteau

Premiere: 13. Dezember 2008
Akademietheater

Musikalische Leitung: Ulrich Nicolai
Inszenierung: Louis Villinger
Dramaturgie: Brit Ullrich
Ausstattung: Marlen von Heydenaber

Arcis-Ensemble

Mit: Florian Dengler, Dafni Georgali,Thomas Stimmel, Stefan Thomas

Louis Villinger, Regiestudent der Bayerischen Theaterakademie und der Hochschule für Musik und Theater München, hat sich für die im dritten Studienjahr anstehende Musiktheaterregiearbeit Darius Milhauds Kurzopern-Moritat Der arme Matrose ausgesucht. Der Dichter, Maler und Regisseur Jean Cocteau hatte 1924, basierend auf einem Zeitungsartikel, für Georges Auric ein Libretto verfasst. Da dieser zu beschäftigt war, um es anzunehmen, vertonte der begeisterte Milhaud die Kurzoper. Innerhalb eines Monats entstanden Komposition und Orchestrierung und am 16.12.1927 wurde Der arme Matrose am Théâtre National De L'Opéra-Comique in Paris uraufgeführt. In der Münchner Aufführung spielt das Arcis Ensemble der Hochschule für Musik und Theater unter der Leitung von Ulrich Nicolai. 

Wie lange kann man warten auf einen Mann, der auszog, das Glück zu finden? 15 Jahre sind es bei der Frau des Matrosen. 15 Jahre, in denen sie ihm trotz Armut und anderer Bewerber die Treue hält. Als er endlich zurückkehrt, erkennt sie ihn nicht. Getarnt als Reisegefährte ihres Mannes, testet der Matrose die Liebe seiner Frau: wie weit würde sie gehen, um ihren Mann aus der angeblichen finanziellen Not zu retten? Die Probe misslingt. In der Absicht, das Glück des eigenen Mannes zu sichern, erschlägt die Frau den vermeintlich Fremden.

Darius Milhauds Kurzoper mit einer Sängerin und drei Sängern und einer Aufführungszeit von etwa 45 Minuten lässt einen erfahren, dass zeitliche Raffung weder die Komplexität der Handlung noch ihre musikalischen Möglichkeiten beschränken muss.

Absolventenvorsprechen 2008

1. Dezember 2008
Akademietheater

Der Abschlussjahrgang des Studiengangs Schauspiel der Theaterakademie August Everding / Hochschule für Musik und Theater München stellt sich mit einem szenischen Programm vor.

Mit: Franziska Herrmann, Sonja Isemer, Frederic Linkemann, Christoph Müller-Leonhardt, Dimitrij Schaad, Julia Sontag, Isa Weiß

Das Ballhaus

Erinnerung an ein Jahrhundert
Schauspiel ohne Worte

Bearbeitung und Regie: Jochen Schölch
Mitarbeit: Florian Leitner
Bühne: Hannes Neumeier
Kostüme: Andrea Fisser
Licht: Tobias Zohner
Choreographie: Johanna Richter, Michael Schmieder
Produktionsleitung: Veronika Jabinger

Mit: Wilhelm Beck, Dimitra Borcherding, Martin Dudeck, Helga Fellerer/Johanna Richter, Lilly Forgách, Harald Geil, Miko Greza/Werner Haindl, Marius Hubel/Martin Wißner, Felix Kuhn, Maresa Lühle/Anne Bommer, Thomas Meinhardt, Silke Nikowski, Fjodor Olev, Anastasia Papadopoulou, Annigna Seiler, Nadine Schwitter, Anke Stedingk, Tobias Vorberg, Christoph Weber

Das Metropoltheater in München-Freimann ist ein umgebautes Kino aus den 50er Jahren. Es versprüht die altmodische Eleganz der Jahrhundertmitte. Damit bietet es das perfekte Ambiente für die neue Inszenierung des Theaterleiters Jochen Schölch.
Das Metropol verwandelt sich hier in Das Ballhaus und tritt eine Reise durch die vergangenen acht Jahrzehnte an:
Vom Tanzpalast der 20er Jahre entwickelt es sich zum Techno-Schuppen der 90er.
Zwischendrin wird es zum Lazarett umfunktioniert, nach dem Krieg trifft sich dort die Wirtschaftswunder-Generation, später die Rock 'n' Roll-Jugend und die Hippies.
19 Schauspielerinnen und Schauspieler durchleben im Ballhaus die (west)deutsche Geschichte von den wilden 20ern im Charleston-Takt zu den dekadenten 90ern im Techno-Beat.
Die Weltwirtschaftskrise und die Machtergreifung der Nazis, Zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit und 68er Revolte - das sind nur einige der Episoden, die in Das Ballhaus gezeigt werden.
Wie in der Filmvorlage von Ettore Scola wird dabei kein Wort gesprochen. Allein Moden und Tanzstile erzählen den Wandel der Zeiten.
Die Inszenierung will so das Lebensgefühl der verschiedenen Jahrzehnte einfangen. Der Wandel von Gesellschaft und Kultur steht in ihrem Mittelpunkt.
Das Ballhaus hat eine lange Geschichte hinter sich und dabei allerlei erlebt. Diesen fiktiven Ort macht Regisseur Jochen Schölch zum Motor der Erinnerung.

Die Stadt der Blinden

Theaterstück in der Textfassung von Claudia Grehn nach dem Roman von José Saramago

Uraufführung zur Wiedereröffnung der Reaktorhalle
Premiere: 22. November 2008
Reaktorhalle

Regie: 
Moritz Schönecker
Musik: Joachim Schönecker, Felix Lange
Bühne: Benjamin Schönecker
Kostüme: Veronika Bleffert
Dramaturgie: Antonia Beermann, Jonas Zipf

Mit: Isa Weiß, Dimitri Schaad, Julius Bornmann, Benjamin Mährlein, Sonja Beck, Stefan Lewetz, Julia Kunze

Zunächst ist es nur ein Einzelfall. Ein Autofahrer erblindet von einem Moment auf den anderen, die Ursache bleibt unklar. Den freundlichen Helfer ereilt kurz darauf das gleiche Schicksal. Wie eine Seuche breitet sich die Blindheit in der ganzen Stadt aus. Um die Ausbreitung der rätselhaften Epidemie einzudämmen, ordnet der Staatsapparat brutale Quarantänemaßnahmen an. Schließlich werden die Erblindeten sich selbst überlassen. José Saramagos gedankliches Experiment stellt die Bewohner der Stadt der Blinden vor fast unlösbare Aufgaben. Im Ausnahmezustand wird schnell klar, wie hauchdünn die Schicht der menschlichen Zivilisation ist: Alle Regeln scheinen außer Kraft gesetzt, jeder ist sich selbst der Nächste. Die einzige Chance, zu überleben, besteht darin, aufzubrechen und sich in kleinen Gruppen zu organisieren…

Die Parabel von der Stadt der Blinden brachte dem portugiesischen Schriftsteller José Saramago 1998 den Literaturnobelpreis - jetzt wird sie in der Bearbeitung der Kleist-Preis-Trägerin Claudia Grehn uraufgeführt. Der Regiestudent Moritz Schönecker erarbeitet zur Wiedereröffnung der renovierten Reaktorhalle in der Luisenstraße seine Diplominszenierung, 
die das Gedankenspiel von einer plötzlichen kollektiven Blindheit theatral erforscht und nach seinen Konsequenzen fragt. Sieben Schauspieler und zwei Musiker sind gleichzeitig Leiter und Probanden dieses Experimentes. Sie folgen Saramagos Figuren in diesem Verwirrspiel der Wahrnehmung durch ein apokalyptisches Szenario in eine Welt, in der eigentlich alles nach den Gesetzen der Vernunft läuft: einer blinden Vernunft, die sich an ihre ethische Funktion nicht mehr erinnert.

Absolventenvorsingen 2008

21. November 2008
Großes Haus im Prinzregententheater

Mit: 
Sonja Leutwyler, Michael Kranebitter, Yan Ping Tu, Ilhun Jung, Tomo Matsubara, Carolina Ullrich, Hirotaka Nakamoto, Susanne Drexl, Nam Won Huh, Giorgos Kanaris, Bianca Koch, Dimitrios Flemotomos

Die Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Musiktheater/Operngesang der Theaterakademie August Everding und der Hochschule für Musik und Theater München präsentieren sich.

Time Step

Herbstkonzert des Studiengangs Musical

Premiere: 20.11.2008
Akademietheater

Musikalische Leitung: Manfred Manhart
Szenische Einrichtung: Vicki Hall, Kathrin Ackermann
Choreographie: Ramses Sigl, Heike Schoch, Arthur Faiss
Bühne und Kostüme: Vicki Hall, Kathrin Ackermann
Licht: Bernd Gatzmaga

Zwei große Komponisten, deren Werke in der Musicalausbildung natürlich nicht fehlen dürfen sind Leonard Bernstein und George Gershwin. Der  2. und 3. Jahrgang des Studiengangs Musical interpretieren Songs aus Bernsteins West Side Story und Wonderful town. Gershwins I got rhythm, They can’t take that away from me und It’s wonderful und andere bekannte und weniger bekannte Kompositionen stehen außerdem auf dem Programm dieses Konzerts unter der musikalischen Leitung von Manfred Manhart.

Wiener Blut

Operette in drei Akten
Text von Viktor Léon und Leo Stein 
Musik von Johann Strauß, arrangiert von Adolf Müller (jun.)
Fassung für sechs Konzertflügel von Curt Gold und Herbert Wernicke 

Premiere: 29. Oktober 2008
Großes Haus im Prinzregententheater

Musikalische Leitung: Siegfried Mauser
Inszenierung: Renate Ackermann
Bühne: Heinz Balthes
Kostüme: José-Manuel Vázquez 
Dramaturgie: Christiane Plank-Baldauf
Choreographie: Katja Wachter

An den Flügeln: Masha Khotimski, Siegfried Mauser, Mamikon Nakhpetov, Angelines Rubio, Sebastian Seel, Serena Stella

Mit: Benjamin Appl, Giorgos Kanaris, Brigitte Bayer, Magdalena Hinterdobler, Marko Cilic, Marc Megele, Miriam Clark, Bianca Koch, Dimitrios Flemotomos, Nam Won Huh, Stefan Mühlbauer, Ulyana Regener, Franziska Roth, Maria Pitsch, Maria Sushansky, Carolina Ullrich

Im Jahre 1815 wird Wien zum denkwürdigen Schauplatz eines Kongresses, auf dem die Neuordnung Europas nach den Napoleonischen Kriegen beschlossen werden soll. Doch es geht nicht nur um Politik. Denn schon bald bestimmen erotische Feldzüge, amouröse Grenzstreitigkeiten mit nachfolgenden Friedensverhandlungen den Zeitplan der anwesenden Fürsten und Diplomaten. Man eilt von Veranstaltung zu Veranstaltung, von einem Fest zur nächsten Redoute, man "tanzt und kommt doch nicht vorwärts", so beschreibt es der Fürst von Ligne. 

In Johann Strauß’ Operette Wiener Blut ist es Balduin Graf Zedlau, der Gesandte des thüringischen Fürstentums Reuß-Schleiz-Greiz, den die Kongress-Akten zu langweilen beginnen und der sich nun auf dem erotischen Parkett versucht. Seine junge Gattin Gabriele, der das Leben an der Seite ihres bislang bieder-provinziellen Ehemannes schon nach kurzer Zeit unerträglich wurde, hat sich in ihr Elternhaus zurückgezogen. Die eheliche Villa steht Balduin somit zur freien Verfügung. Hier hat er für sich und seine Geliebte, die Tänzerin Franziska Cagliari, ein Liebesnest eingerichtet. Sein neuer Eroberungsfeldzug gilt Pepi Pleininger, der Braut seines Kammerdieners Josef. Als Balduins oberster Dienstherr, der Premierminister Ypsheim-Gindelbach, in diese Situation glättend einzugreifen versucht, geraten die "territorialen Ansprüche" endgültig durcheinander...  Das innenpolitische Ergebnis der Liebesabenteuer ähnelt dem des Wiener Kongresses: Restauration der alten Verhältnisse, mit kurzzeitigen freiheitlichen Selbstbestimmungsversuchen. Schuld an allen Verwechslungen und Missverständnissen hat allein das "Wiener Blut"!

Wiener Blut ist das letzte Bühnenwerk des Walzerkönigs Johann Strauß. Es wurde von dem versierten Theaterkapellmeister Adolf Müller jun. aus zahlreichen Strauß’schen Tanzkompositionen – Walzern, Polkas, Mazurken und Quadrillen – in der Art eines Pasticcios zusammengestellt. Der Aufführung im Prinzregententheater liegt die Fassung von Curt Gold und Herbert Wernicke für sechs Flügel zugrunde.

Der Prinzipal - August Everding zum 80. Geburtstag

Voraufführung eines Filmportraits von Toni Schmid und Julie Lindner aus der Reihe KÖPFE IN BAYERN

28. Oktober 2008
Prinzregententheater

Am 31. Oktober wäre er 80 Jahre alt geworden, vor fast zehn Jahren ist er gestorben: August Everding, rastloser Tausendsassa in Sachen Kultur, weltweit gefragter Regisseur, Intendant und Bayerischer Generalintendant, listiger Retter des Münchner Prinzregententheaters und Gründer der Bayerischen Theaterakademie, engagierter Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Buchautor und Fernsehmoderator. Als die meisten Vertreter der Hochkultur noch die Nase rümpften über die Medien, vor allem über das damals noch junge Fernsehen, bediente sich Everding längst virtuos seiner Möglichkeiten, an den Opernhäusern in Hamburg und München betrieb er Marketing, bevor dieses Wort überhaupt existierte und glänzte als Kulturpolitiker zu einer Zeit, als Künstler und Intellektuelle noch im oppositionellen Schmollwinkel saßen. Mit Charme, Witz und Eloquenz wurde er zum bekanntesten und einflussreichsten Kulturverführer Deutschlands, bei dem sich Bundeskanzler Rat holten und der vielleicht nur deshalb nicht der erste offizielle deutsche Kulturminister wurde, weil er es vorzog, der inoffizielle Intendant von ganz Deutschland zu sein.