Archiv 2006/07

Fräulein Julie & Der Kissenmann & Gesäubert
Die Amouren des Don Juan
Menáge à trois
Die Grönholm-Methode
Cosí fan tutte
Dogville
Sieben Türen
Leonce und Lena
Unbeständigkeit auf beiden Seiten
Das gläserne Lachen
Hello Again
Fredegunda
Fredegunda
La Traviata
Wilde Männer küsst man gern
Das Wundertheater - Ein Landarzt - Das Ende einer Welt

Fräulein Julie & Der Kissenmann & Gesäubert

Premiere: 27. Juni 2007
Akademietheater

Fräulein Julie von August Strindberg

Regie: Till Niklaus Wyler von Ballmoos
Bühne und Kostüme: Sylvia Rieger
Dramaturgie: Leonie Grabler
Maske: Anja Neukert

Mit: Katharina von Harsdorf, Marcus Widmann

Der Kissenmann von Martin McDonagh
Deutsch von Martin Molitor und Christian Seltmann

Regie: Antje Schupp
Bühne und Kostüme: Gerd Venzky
Dramaturgie: Gero Tögl

Mit: Daniel Pietzuch, Peter Kollmann, Martin Böhnlein

Gesäubert von Sarah Kane

Regie und Bühne: Johanna Wehner
Dramaturgie:Sarah Israel

Mit: Franziska Beyer, Sven Hussock, Steffen Nowak

Die Amouren des Don Juan

Schauspiel nach Molière und Lorenzo Da Ponte in der Fassung der Bayerischen Theaterakademie

Premiere: 19. Juli 2007
Freilichtbühne im Innenhof der Alten Münze

Inszenierung: Mario Holetzeck
Bühne und Kostüme: Christl Wein
Dramaturgie: Nicole Schneiderbauer
Musik: Dean Wilmington, Christoph Weber

Mit: Tristan Seith, Sebastian Winkler, Raffaele Bonazza, 
Andreas Kohn, Lea Kohns, Philipp Moschitz, Franziska Beyer, Sven Hussock, Pablo Sprungala, Henriette Schmidt, Annika Ullmann, Katharina Hauter, Dean Wilmington

Mitten in der Münchner Innenstadt, zwischen Marienhof und Platzl, liegt der Renaissancehof der Alten Münze und bietet eine stimmungsvolle Freilichtbühne für die Sommerproduktion der Bayerischen Theaterakademie, die sich diesmal den Mythos Don Juan zum Thema nimmt:
Ich fühle in mir ein Herz, das die ganze Welt begehrt. - Don Juan, Atheist und Verführer, lebt ein Leben auf der Überholspur. Bei einem seiner nächtlichen Streifzüge durch Madrid, in denen er seinen Lastern, dem Alkohol und den Frauen, frönt, tötet Don Juan den Vater einer seiner Geliebten. Er flieht aus der Stadt, gefolgt von seinem Diener Sganarell. Don Juan zieht sich auf seinen Landsitz zurück, wo er rauschende Feste feiert. Dabei sucht er nach neuen Liebesaffären. Sganarell ist fasziniert von seinem Herren. Er versucht in dessen Fußstapfen als Verführer zu treten, bemerkt dabei jedoch nicht, dass Don Juan im Laufe seiner ganzen Abenteuer zum Mythos seiner selbst geworden ist. Es entspinnt sich ein gefährliches Spiel aus Liebe, Eifersucht, Neid und Intrigen, deren Opfer Don Juan schließlich wird. 
In tragikomischen Bildern beschreiben Die Amouren des Don Juan das Bild einer Gesellschaft, in der der Einzelne, getrieben von immer neuen Wünschen und der Sehnsucht nach unmittelbarer Erfüllung, seine Mitte und schließlich sich selbst verliert. 

Ménage à trois

Drei einstündige Vordiplom-Inszenierungen

Premiere: 15. Juni 2007
Akademietheater

Blaubart - Hoffnung der Frauen von Dea Loher

Inszenierung: Louis Villinger
Bühne und Kostüm: Tanja Pfeiffer, Barbara Schwarz
Dramaturgie: Catharina Hartmann

Mit: Stefan Lehnen, Demet Gül, Annigna Seiler

Auf dem Land von Martin Crimp
Deutsch von Frank Heibert

Inszenierung: Moritz Schönecker
Bühne: Benjamin Schönecker, Moritz Schönecker
Kostüme: Katharina Raffalt
Musik: Felix Lange
Dramaturgie: Karoline Wernicke
Licht: Gerrit Jurda

Mit: Sonja Beck, Stephan Lewetz, Diana Marie Müller

Kasimir und Karoline von Ödön von Horváth

Inszenierung: Jonas Zipf
Bühne und Kostüme: Jelena Nagorni
Dramaturgie: Luitgard Hagl
Licht: Annette Dell' Aere
Kamera: Jonas Zais
Sprache: Isa Terwiesche

Mit: Sebastian Winkler, Cornelia Pollak, Julius Bornmann, Michael Kranz, Anne Bommer, Thorsten Krohn, Beris Wachsam

Die Grönholm-Methode

von Jordi Galceran

Premiere: 7. Juni 2007
Metropoltheater München

Regie: Cordula Jung
Bühne und Kostüm: Tanja Pfeiffer, Barbara Schwarz
Licht: Benjamin Schmidt
Dramaturgie: Benjamin Holecki

Mit: Judith Toth, David Baalcke, Markus H. Eberhard und Matthias Grundig

Sein oder Nichtsein ist passé! Karriereaufstieg oder Mittelmaß, das ist hier Frage. 
Vier Bewerber – und nur eine freie Stelle. Doch nicht irgendein 0815-Job steht auf dem Spiel, sondern ein hochbezahlter Managerposten. Wer diesen bekommen möchte, muss das Assessment Center, die letzte und härteste Runde im Auswahlverfahren, bestehen. 
Die Regeln haben es in sich: Nicht im Einzelgespräch, sondern in der Gruppe wird der zukünftige Topmanager ausfindig gemacht. Jeder Bewerber wird mit verschiedenen, nur für ihn bestimmten Aufgaben konfrontiert. Wer diese nicht meistert oder ihnen nervlich nicht gewachsen ist, fliegt raus. Selbst vor pikanten Details aus dem Privatleben wird kein Halt gemacht. Und bereits mit der ersten Aufgabe wird ein heißer Krimi entfacht: Eine der vier Personen ist Mitarbeiter des Unternehmens. Wem gelingt es, den Maulwurf zu entlarven? Wer spielt hier welches Spiel? Welche Taktik verspricht den größten Erfolg? Wer hält dem Druck stand? Wie weit sind die Bewerber bereit für ihren Traumjob zu gehen? Welche Identität steht wirklich hinter ihnen?! Und wie viel Selbstachtung bleibt?

Mit viel Witz und Raffinesse beschreibt Jordi Galceran in Die Grönholm-Methode den Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt. Sein Erfolgsstück ist ein Garant für einen hoch spannenden Theater-Abend.

Così fan tutte

Oper von Wolfgang Amadeus Mozart (1790)
Libretto von Lorenzo Da Ponte 
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: 9. Mai 2007
Großes Haus im Prinzregententheater

Musikalische Leitung: Oswald Sallaberger, Joachim Tschiedel
Inszenierung: Tatjana Gürbaca
Bühne und Kostüm: Ingrid Erb
Dramaturgie: Sophie Walz

Neue Hofkapelle München

Mit: 
Sophia Brommer, Misaki Ono, Hyuk Lee, Miklós Sebestyén, Sibylla Duffe, Bianca Koch, Vera Semieniuk, Emilio Pons, Ansgar Matthes, Michael Kranebitter, Sebastian Campione, Maria Sushanskyy

Zwei junge Paare stehen kurz vor ihrer Hochzeit, doch der Ansicht des alten Philosophen Don Alfonso nach gibt es ewige Liebe und Treue nicht. So wettet er mit den zwei Männern, dass ihre Geliebten ihnen keine 24 Stunden treu seien.
Die Herren werden zum Schein in den Krieg geschickt und dann verkleidet als neue Verehrer bei den Damen eingeführt. Nach vielem Sträuben und Zureden der Kammerzofe willigen die Damen in die Heirat der "neuen" Verehrer ein, doch haben sie den jeweils anderen Partner erwählt.
Don Alfonso hat damit den Beweis für Così fan tutte (So machen sie es alle) erbracht. Die zwei Männer legen ihre Verkleidung ab, die Frauen gestehen ihre Untreue und die Paare finden wieder in ihre ursprüngliche Konstellation zurück.
Im Verlaufe der Handlung wird das Beziehungsgeflecht gestört, der Schutz der Konventionen gerät ins Wanken und die Figuren durchleben einen teils schmerzlichen Entwicklungsprozess. Die Aufklärung der Figuren und die daraus resultierende Individualisierung steht für die Regisseurin Tatjana Gürbaca in Così fan tutte im Vordergrund.

Dogville

von Lars von Trier

Premiere: 19. April 2007
Metropoltheater München

Regie: Jochen Schölch
Ausstattung: Christl Wein
Licht: Peter Platz

Mit: Peri Baumeister, Marius Borghoff, Claudia Carus, Nahuel Häfliger, Rudi Hindenburg, Josephine Köhler, Philipp Lind, Matthias Renger, Sophie Rogall, Lea Woitack
Harmonium: Friedrich Rauchbauer

Dogville ist ein verträumter kleiner Ort am Fuße der Berge. Abgeschottet von der Außenwelt leben seine Einwohner in Eintracht und Zufriedenheit. Doch darf die Seele nicht einrosten. Zur täglichen Beobachtung und Pflege derselben fühlt sich Tom, der poetische Denker des Städtchens, berufen. Im Gestus des Predigers lässt er die Grundtugenden des mitmenschlichen Umgangs in Dogville nicht in Vergessenheit geraten. Doch lehrt er nicht in Gleichnissen, sondern im Sinne der Aufklärung in Beispielen und Beweisen. Für die neueste Seelenübung erscheint zu Toms großem Glück ein trefflicher Beweis in der Stadt, der von den Bewohnern noch geführt werden muss. Grace, eine fremde Flüchtige in engelsgleicher Gestalt, soll Dogville die moralische Fertigkeit des Annehmen-Könnens lehren. In zweierlei Hinsicht allerdings: Sie sollen sich als menschlich und großmütig erweisen, indem sie trotz der Gefahr für ihr Städtchen Grace Zuflucht vor ihren Verfolgern gewähren. Vor allem sollen sich die einfältigen und puritanischen Bewohner jedoch ihrer schlummernden Bedürfnisse und Träume annehmen. Graces Liebenswürdigkeit vermag es auch tatsächlich, Dogville wieder zu beseelen. Doch entfesselt die erwachte Lebensgier bald ungekannte, verderbliche Kräfte. Zwangsläufig öffnen sich mit der Seele auch deren Abgründe. Grace wird zum Opfer von Gelüsten und Gemeinheiten der Bewohner. Das gottverlassene Dogville wird zu einem bodenlosen Sezierspiel menschlichen Verhaltens und entblößt die unheilvolle Wirkung von Macht. 
Mit diesem Spiel um Moral und Moralisten hat der dänische Filmregisseur Lars von Trier das Theater konsequent in den Film überführt und gezeigt, welche faszinierende Intensität unsichtbare Wände und kaukasische Kreidekreise entwickeln können. Diese minimalistische Ästhetik ist es gerade, die nach einer sinnlich-poetischen Umsetzung auf dem Metropoltheater verlangt.

Sieben Türen. Bagatellen

Schauspiel von Botho Strauß

Premiere: 18. April 2007
Akademietheater

Inszenierung: Mario Andersen
Bühne: Jörg Brombacher
Kostüm: Adriana Taratufolo
Dramaturgie: Brit Ullrich
Musik: Martin Lutz

Mit:Raffaele Bonazza, Franziska Beyer, Katharina Hauter, Sven Hussock, Lea Kohns, Philipp Moschitz, Annika Ullmann, Henriette Schmidt, Tristan Seith, Pablo Sprungala, Sebastian Winkler

Botho Strauß, einer der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren, beschreibt in seinen 1988 in Stockholm uraufgeführten Sieben Türen. Bagatellen den alltäglichen Wahnsinn unserer Zeit: 

Ein Mann, der ein Groupie vor seinem Idol rettet.
Eine Ehe, die auf der Kippe steht.
Ein Hausbesitzer, der seinen Besitz nicht kennt.
Zwei Kundinnen, die nichts kaufen wollen.
Ein Parkwächter, der bewacht und bewacht wird.
Ein Nichts, das nicht Nichts ist.

Die Szenen stehen nicht nur unabhängig nebeneinander, der Text wechselt abrupt die Genres, jongliert mit Stilmitteln und Strukturen, führt Gegensätzliches zusammen, verweist auf Mythen, Redensarten und andere Werke, reicht von tiefsinnig bis platt, und wird mit zunehmender Absurdität immer komischer.
Und schließlich fragt man sich, was diese Bagatellen, diese unbedeutenden Kleinigkeiten, zu bedeuten haben. Entspringen die sieben Türen Dantes Göttlicher Komödie und führen von der Vorhölle ins Paradies? Weisen sie unterschiedliche Wege in die Zukunft á la Lola rennt? Oder zeigen sie uns, dass die Welt nur im Kopf entsteht und jegliche Einheit konstruiert ist?
Auf der Suche nach dem System, einem Schema, in das man den Text einordnen könnte, eröffnet sich einem eine Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten, aber keine Gesamtlösung. Zuletzt findet man sich scheinbar wieder am Ausgangspunkt, nämlich bei jenen Zeilen, die der Autor dem Drama voran gestellt hat:

Das könnte das wahre Ende bedeuten: die Ausgänge hoffnungslos in der Überzahl! Nicht ein freier Ausgang, sondern eine Serie von gleichen freien Ausgängen, die uns keine Chance lassen, den einzig richtigen Weg einzuschlagen. Angesichts der erbrochenen Geheimnisse – angesichts einer Arena von halb offenen, lockenden Türen ist Sitzenbleiben die beschlossenste Sache der Welt.

Leonce und Lena

Lustspiel von Georg Büchner

Premiere: 12. Mai 2007
Akademietheater

Inszenierung: Nora Bussenius
Bühnenbild: Saskia Glave
Kostüm: Kathrin Younes
Dramaturgie: Ute Gröbel, Nicole Schneiderbauer

Mit: Olivia Sue Dornemann, Iris Hochberger, Jürgen Brunner, Andreas Haun, Michael Sattler, Uwe Schmieder und Dirk Schülke

O, wer einmal jemand anders sein könnte! Nur 'ne Minute lang 

Ein König, der sich nur noch dem Denken widmen und die Herrscherrolle seinem Sohn übergeben will; ein Prinz, der all diesen Pflichten, diesem alltäglichen Einerlei überdrüssig ist; eine Prinzessin, die nicht mit einem Unbekannten vermählt werden möchte: Alle träumen sie davon, den Zwängen des Systems zu entkommen. Leonce, der Prinz, begibt sich schließlich gemeinsam mit seinem Freund Valerio auf eine lange Reise – zu sich selbst und zu seiner großen Liebe. Auf dem Weg trifft er auf die ebenfalls entflohene Prinzessin Lena und verliebt sich in die unbekannte Schöne. Sie, so scheint es, ist die Erfüllung all seiner Sehnsüchte, in ihr sieht er das Ziel seines unbestimmten Suchens nach Freiheit, Glück und Selbstbestimmung. Voller Hoffnung kehren sie gemeinsam in den Apparat zurück, um am Ende doch festzustellen: Wir haben alles wohl anders geträumt. 

In seinem 1836 entstandenen Lustspiel beschreibt Büchner die Sehnsucht nach Freiräumen innerhalb alltäglicher Eintönigkeit und die Suche nach einer Möglichkeit, jenseits gesellschaftlicher Zwänge leben und lieben zu können. In tragikomischen Bildern wird gezeigt, wie der Königsweg der Selbstfindung in einem Kreisverkehr mündet, der umgeben ist von "Brennspiegeln, klassischen Leibern und einer commoden Religion".

Unbeständigkeit auf beiden Seiten

Schauspiel von Pierre Carlet de Marivaux

Premiere: 24. März 2007
Akademietheater

Bühne und Regie: Lea-Marie Hauptvogel
Kostüm: Judith Hepting
Dramaturgie: Catharina Hartmann

Mit: Felix Kuhn, Anastasia Papadopulou, Annigna Seiler, Irina Ries, Martin Wißner, Peter Lindhorst

Arlequin liebt Silvia, Silvia liebt Arlequin, der Fürst liebt Silvia, Arlequin liebt Flaminia, Trivelin liebt Flaminia, Silvia liebt den Fürsten, Flaminia liebt Arlequin…….. Augenscheinlich geht es um die Liebe in dieser Komödie Marivaux’, von der er selbst sagte, dass sie seine Beste gewesen sei; um "die Liebe im Kampf mit sich selbst". Aber nicht das Entstehen der Liebe und die Zeit der Verliebtheit stehen im Mittelpunkt, sondern das langsame "Entlieben" zweier Personen, die Unbeständigkeit ihrer Verbindung und die Sehnsucht nach Neuem. 

Arlequin und Silvia sind ein Paar. Sie werden an den Hof des Fürsten geholt, denn der hat sich in Silvia verliebt und wünscht wiedergeliebt zu werden. So wird es zum erklärten Ziel des gesamten Hofstaats, die beiden auseinanderzubringen und Silvia für den Fürsten zu gewinnen. Man intrigiert, verführt, verspricht und legt ihrer Eitelkeit Schlingen…

Unter der Komödienhandlung liegt die leise Kritik an einer Gesellschaft, deren Werte so fragwürdig und unbeständig geworden sind wie ihre Liebespaare, einer Zeit, auf die unweigerlich die Revolution folgen wird. 

Das gläserne Lachen

Ein Märchen von und mit Studierenden des 1. Jahrgangs des Studiengangs Schauspiel

Premiere: 11. März 2007
Akademietheater

Ausgerechnet am Geburtstag der kleinen Prinzessin Lotte wird allen Kindern im sonnigen Königreich das Lachen gestohlen! Auch den Geburtstagsgästen von Lotte bleibt das Lachen im Halse stecken und verschwindet im Zaubertopf der bösen Hexe. Diese ist mit ihrem Gehilfen Hugo aus dem Zauberwald aufgebrochen und nun auf der Jagd nach allen Kinderlachen, denn ihre zahlreichen Lebensjahre sind nahezu aufgebraucht. Nur ein Zaubertrank, gebraut aus dem Lachen aller Kinder, kann sie noch verjüngen. Ein Lachen fehlt ihr noch, das der Prinzessin.

Über allem thronen Sonne und Mond, welche sich auf den von der Natur festgelegten Bahnen immer näher kommen – eine Sonnenfinsternis steht unmittelbar bevor. Bis der Mond die Sonne aber für einen Augenblick völlig verdeckt, muss die Hexe auch das letzte Lachen eingefangen haben.

Lotte, inzwischen von ihren Freunden verlassen, da diese durch das geraubte Lachen böse und unausstehlich geworden sind, weiß noch nichts vom Schicksal ihrer Spielgefährten: "So kenn ich meine Freunde gar nicht! Wir sind doch sonst so fröhlich… Jetzt bin ich ganz allein." Sie weiß auch noch nichts davon, dass sie das Lachen zurückerkämpfen muss.
Die Prinzessin wird von ihrer Oma auf eine abenteuerliche Reise voller Überraschungen und Hindernissen geschickt. Die Zeit drängt, Sonne und Mond kommen sich schon gefährlich nahe und die Hexe lauert auf Lotte.
Ein Märchen über Mut und Willensstärke, über Freundschaft und Zusammenhalt.

Hello Again

Musical von Michael John LaChiusa
Deutsch von Roman Hinze

Deutschsprachige Erstaufführung

Premiere: 1. März 2007 
Akademietheater

Musikalische Leitung: Philip Tillotson
Regie: Silvia Armbruster
Choreografie: Ramses Sigl
Bühne und Kostüme: Michael Kraus
Dramaturgie: Barbara Kerscher

Musical Orchester München

Mit: 
Nina Janke, Marc Lamberty, Maria Helgath, Manuel Steinsdörfer, Milica Jovanovic, Nathanael Schaer, Konstantin Krisch, Markus Alexander Neisser, Marella Martin, Felix Schepp

Ein altes Thema in verschiedenen Gewändern: der Wunsch nach erfüllter Liebe und die verzweifelte Suche nach dem idealen Partner. Ein ewiger Kreislauf ist im Gange und zeigt die Liebe in allen ihren Variationen. Zehn Paare bilden sich und trennen sich wieder. Zehnmal steigt die Temperatur vom Nullpunkt zum Siedepunkt, doch auf den Höhepunkt folgt immer die Ernüchterung. Ein Partner lässt den anderen sitzen auf der Suche nach neuer "Beute". Es sind Geschichten von käuflicher und ehelicher Liebe, von Verführung und Unschuld, von gewaltsamer und behutsamer Annäherung. Der Dichter Schnitzler gönnte den Personen keine Namen, und so ist es auch hier: wie Marionetten reagieren alle auf die gleichen Reize, jeder ist getrieben von der gleichen Sehnsucht.
Der Zuschauer folgt den Personen auf ihrem Weg durch die Zeit, das Musical ist eine Klangreise durch das zwanzigste Jahrhundert. Jede neue Figurenpaarung bringt auch eine hörbare Veränderung mit sich: von der Wiener Operette über Boogie-Woogie bis zur Discomusic der 1970er Jahre reicht das Spektrum von LaChiusas Komposition. 
Hinter aller vordergründigen Beschwingtheit und allem kurzzeitigen Vergnügen verbirgt sich eine Melancholie, die allen Figuren gemeinsam ist. Und so schließt sich am Ende der Kreis der Liebenden, dem keiner entrinnen kann. Das Spiel scheint endlos fortsetzbar, erwartungsvoll schwingen erneut zwei Worte durch den Raum: "Hello again"...

Fredegunda

Barock-Oper von Reinhard Keiser

Münchener Erstaufführung

Premiere: 8. Februar 2007
Großes Haus im Prinzregententheater

Musikalische Leitung: Christoph Hammer
Inszenierung: Tilman Knabe
Bühne: Wilfried Buchholz
Kostüme: Gabriele Rupprecht
Dramaturgie: Corinna Tetzel

Neue Hofkapelle München

Mit:
Bianca Koch, Sonja Leutwyler, Maria Erlacher, Dora Pavlíková, Johanna-Maria Zeitler, Katja Stuber, Tomi Wendt, Johannes Wimmer, Christian Eberl, Michael Kranebitter, Tomo Matsubara, Julian Prégardien, Tobias Haaks, Sebastian Schmid

Mit Reinhard Keisers Barockoper Fredegunda kehrt ein seit fast 300 Jahren ungespieltes Werk auf die Bühne zurück. Nach der erfolgreichen Premiere der drei frühen Einakter Hans Werner Henzes stellt der neue Präsident der Bayerischen Theaterakademie, Prof. Klaus Zehelein, wiederum eine Münchner Erstaufführung vor – dieses Mal ein Werk des deutschen Barockkomponisten Reinhard Keiser. 

Chilperich, König des westlichen Frankenreichs, soll aus Gründen der Staatsräson die westgotische Prinzessin Galsuinde heiraten. Seine Mätresse Fredegunda, die selbst den Thron besteigen will, zettelt bei Ankunft der Kontrahentin ein perfides Intrigenspiel an. Trotz ihrer "Zauberkräfte" muss Fredegunda sich schließlich geschlagen geben. 

Die Uraufführung der Fredegunda 1715 an der Hamburger "Oper am Gänsemarkt" war ein Sensationserfolg. Über 20 Jahre stand Keisers Werk auf dem Spielplan und war damit eines der meistgespielten seiner Zeit. Die Vorlage lieferten der Librettist Francesco Silvani und der Komponist Francesco Gasparini mit ihrer 1704 entstanden Oper La Fredegonda, die ausgehend von den politisch instabilen Verhältnissen am Hofe des Frankenkönigs Chilperich I. im 6. Jahrhundert die Historie zu einer phantastischen und intrigenreichen Handlung um- und weiterspinnt. Johann Ulrich von Königs deutsche Bearbeitung, die einzelne Arien in italienischer Sprache übernimmt, bildet das Libretto zur Oper Reinhard Keisers, der als Hauskomponist über Jahrzehnte das musikalische Geschehen der Hamburger Bühne dominierte. 

Bremer Freiheit

Frau Geesche Gottfried
Ein bürgerliches Trauerspiel von Rainer Werner Fassbinder

Premiere: 12. Januar 2007
Akademietheater

Inszenierung: Verena Stoiber
Bühne: Evelyn Hribersek
Kostüme: Constanze Knapp
Dramaturgie: Sofie Canins

Mit: Franziska Beyer, 
Pablo Sprungala, Elisabeth Berlinghof, Ferdinand Dörfler, Berit Fromme, Jochen Paletschek, Jörn Kolpe, Sven Hussock, Martin Wißner, Franck Schindler, Anne Bommer, Dolf Muhle-Karbe

Das Stück erzählt von einer Frau, die im falschen Moment richtige Wünsche hat (Rainer Werner Fassbinder) und die an einem Zeitpunkt in ihrem Leben angekommen ist, an dem sie für sich nur noch eine Möglichkeit sieht, ihre Wünsche und Bedürfnisse durchzusetzen.
Unterdrückt und gedemütigt rächt Geesche Gottfried sich an einer Gesellschaft, die sie einst zum Opfer machte. Ein Todesreigen beginnt, doch auf Geesche fällt kein Verdacht. Wie so oft werden Hilferufe überhört und selbst im Vorfeld angekündigte Taten nicht ernstgenommen.

Serienmörder töten solange, bis sie entdeckt werden. Oft scheinen sie auf der Suche nach Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit zu sein. Viele fühlen sich als Unterdrückte und Verlierer in einer Gesellschaft, die immer höhere Ansprüche stellt.

Zwar mag es Geesche Gottfried gelingen, sich auf grausame Weise von den sie einengenden äußeren Umständen zu befreien. Innerlich bleibt sie jedoch gefangen von dem Wunsch nach Liebe und Anerkennung und dem Zwang, sich eine Stellung in der Gesellschaft erkämpfen zu müssen, aus der sie gleichzeitig zu fliehen versucht.

Nach einer wahren Begebenheit.

La Traviata

Melodramma in drei Akten von Giuseppe Verdi
Libretto von Francesco Maria Piave nach Alexandre Dumas d.J.

Premiere: 15. Dezember 2006
Reaktorhalle

Musikalische Leitung: 
Martin Wettges 
Inszenierung: Tobias Kratzer
Bühne und Kostüme: Rainer Sellmaier
Chor: Christian Meister
Dramaturgie: Friederike Kampmann 
Licht: Michael Bauer
Maske: Doreen Gerhardstein, Susanne Steinert

Arcis-Ensemble

Mit:
Anne Bredow, Josette Micheler, Katrin Weiher, Fabian Martino, Felipe Peiro, Florian Richter, Alejandro Araiza, Conrad Hofer, Hans-Beat Hadorn, Lena Krylov, Carolin Graml und Nadin Gürtler

Chor: 
Magdalena Blank, Maria Dufter, Carolin Graml, Magdalena Kleber, Aline Lettow, Claudia Mundi, Elisabeth Scholz, Eva Summerer, Julia Wende, Attilio Glaser, Christian Hailer, Michael Köhler, Rudolf Laué, Christian Meister, Andreas Schirm, Christopher Verworner

Violetta Valery, die vom Weg Abgekommene ("La Traviata"), zählt zu den berühmtesten Todesfällen der Operngeschichte. Dabei benennt das Stück selbst erst im letzten Akt jene Krankheit, an der seine Titelheldin so effektsicher wie zwangsläufig dahinsiecht: "la tisi", die Lungenschwindsucht. Diese Krankengeschichte ist aber nur eine von mehreren Tragödien, die das Stück erzählt. Liest man die Oper genau, ergibt sich kein zwingender Bogen, der von der tragischen Liebesgeschichte Violettas und Alfredos zum Tod der Titelheldin führt. Vielmehr folgt das ganze Werk einer Dramaturgie der Auslassungen. Welcher Entschluss liegt wirklich zwischen Violettas Gier nach Leben am Ende des I. Aktes und ihrem Rückzug aufs Land, der zu Beginn des II. Aktes stattgefunden hat? Was verbindet sie mit dem immer wieder auftauchenden Baron? Und wo, außer in den Unterstellungen dritter, äußert sich in der Oper überhaupt die viel beschworene 'Verworfenheit' der Traviata?

Nicht nur die scheinbare Zwangsläufigkeit des Endes, sondern der gesamte Handlungsverlauf scheint auf einem System stillschweigender Vorvereinbarungen mit dem Publikum zu basieren. Das Werk wiederholt damit in seinen Wirkungsmechanismen, was es innerhalb der Handlungsfiktion kritisiert: es verfügt gleichsam von außen über das Schicksal seiner Titelheldin. Die Inszenierung der Bayerischen Theaterakademie zieht daraus ihre Konsequenzen und zeigt Verdis melodramma als einen Zyklus von vier Kurzopern, in deren Zentrum die jeweils selbe Frage steht: Woran stirbt Violetta?

Wilde Männer küsst man gern

Jubiläumskonzert 10 Jahre Studiengang Musical

Premiere: 24. November 2006
Akademietheater

Musikalische Leitung: Philip Tillotson
Choreografie: Michael Schmieder, Ramses Sigl, Katja Wachter, Gabriele Welker
Szenische Betreuung: Kathrin Ackermann, Gabriele Welker
Gesamtleitung: Vicki Hall

Bereits seit 10 Jahren werden an der Bayerischen Theaterakademie junge Talente zu Musicaldarstellerinnen und Musicaldarstellern ausgebildet. Die Absolventen sind begehrt - viele wurden direkt nach Abschluss des Studiums für nationale und internationale Musicalproduktionen engagiert. Die Ausbildung an der Theaterakademie bereitet die Nachwuchsdarsteller vor allem durch praktische Bühnenarbeit  optimal auf den Beruf vor, der neben Gesang auch tänzerische und schauspielerische Qualitäten erfordert. Zum  Jubiläum ihres Studiengangs zeigen die Studierenden des 2. und 3. Jahrgangs Songs und Szenen aus Musical-Klassikern wie Oklahoma! und South Pacific (Richard Rogers und Oscar Hammerstein II), The Music Man(Meredith Wilson) Die Piraten von Penzance (Gilbert und Sullivan),  und Im Weissen Rössl (Ralph Benatzky). 

Das Wundertheater - Ein Landarzt - Das Ende einer Welt

Drei Opern-Einakter von Hans Werner Henze

Premiere: 17. November 2006
Großes Haus im Prinzregententheater

Musikalische Leitung: Ulf Schirmer
Inszenierung: Christof Nel
Szenische Analyse: Martina Jochem 
Bühne und Kostüme: Silke Willrett und Marc Weeger
Dramaturgie: Barbara Scherm, Heiko Voss

Münchner Rundfunkorchester

Mit: 
Andreas Burkhart, Sebastian Campione, Christian Eberl, Tobias Haaks, Stephanie Hampl, Angelika Huber, Anton Leiß-Huber, Sebastian Schmid, Vera Semieniuk, Maria Sushanskyy, Markus Vollberg, Tomi Wendt, Johannes Wimmer, Lusi Yang

Klaus Zehelein, der seit September 2006 als Präsident die Bayerische Theaterakademie leitet, hat für die erste große Musiktheaterproduktion in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater München und dem Studiengang Gesang/Musiktheater, drei frühe Opern-Einakter von Hans Werner Henze ausgesucht: Das Wundertheater / Ein Landarzt / Das Ende einer Welt. Henze, der in diesem Jahr seinen 80, Geburtstag feierte, hat die Werke komponiert, als er zwischen 22 und 27 Jahre alt war. 

Anfang der 1960er Jahre schrieb er die beiden ursprünglich nur für den Hörfunk konzipierten Opern Ein Landarzt (nach Franz Kafka) und Das Ende einer Welt (nach Wolfgang Hildesheimer) für die Bühne um. Hinzu kommt Henzes erstes szenisches Musiktheaterwerk 
Das Wundertheater (nach Cervantes) in der zweiten Fassung von 1964. In München werden sie in dieser Form erstmals aufgeführt, nicht als jeweils abgeschlossene Einzelwerke, sondern ohne Pause als durchgehende miteinander verbundene Erzählung.