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Minus Odysseus - Projektskizze

von Albert Ostermaier

Eine Reise mit den Augen der Anderen

Premiere: 8. Juni 2010, 20.30 Uhr
Weitere Vorstellungstermine: 9., 11.,  28., 29. und 30 Juni 2010
20.30 Uhr
12. Juni 2010, 21.30 Uhr
In allen Räumen des Prinzregententheaters

'Minus Odysseus' ist eine Reise durch die Schattenkontinente der 'geflügelten Worte' des listenreichen Helden, eine Fahrt zu jenen, die irre wurden an seinen Lügen, eine Topographie der Zurückgebliebenen, die gekettet sind an den Ort seiner Erzählung und sprachlos blieben, da keiner ihre Trauergesänge sang und ein Niemand das Auge ausstach, das anders sah. Odysseus hinterließ eine Spur der Zerstörung, er hinterließ entzündete Herzen, zertrümmerte Schädel, gestrandete Schiffe und Lieben, Wort- und Treuebrüche, Sprachschönheiten über Seelenabgründen.

Die Odyssee erzählt seine Geschichte, 'Minus Odysseus' versucht die Geschichte der Anderen zu erzählen. Minus Odysseus will als Projekt neue Perspektiven entdecken, die Odyssee und Odysseus mit Brennspiegeln umstellen, zeigen, dass Wahrheit eine Frage des Blickwinkels und der Tiefenschärfe ist, dass sie geteilt werden kann, aber nicht teilbar ist. Das Projekt soll diesen unsterblichen Figuren der Irrfahrt, die an uns vorbeiglitten und im Strom der Passanten gleiten, eine Sprache geben, eine Sprache, die nicht nur aus Worten besteht, sondern ebenso aus Körper, Bild, Geste. Eine Sprache, die zwischen den Strömen der Zeilen sich erfindet, die das Unsichtbare im Sichtbaren und das Sichtbare im Unsichtbaren sucht. Es ist der Versuch, die Odyssee und ihr Personal in unserer Zeit zu verorten, sie mit unseren Erfahrungen zu vernetzen, den Mythos in die Gegenwart zu übersetzen. Wir wollen die Einäugigen entdecken und fokussieren, die Wahrnehmungsengen, Verständnisklippen, den Zauber der Kirke, den Rausch der Verwandlung und die Verwandlung des Rausches. Es ist eine Reise ans Ende der Gewissheiten, eine Reise zu den Grenzen des Darstellbaren und zur Frage des Erzählers und des Wissens um das Erzählte; und vor allem die Räume des Erzählens und ihre Resonanzen.

Gefordert sind neben Listenreichtum und Neugierde die Lust am  Recherchieren, am Schreiben und Korrigieren, am in die Irregehen und Fremdwerden im Gewohnten, die Lust am sich selbst in Frage stellen, um jene Fragen zu stellen, nach denen die Antworten suchen, die warten wie Penelope am Ende des Erzählfadens, verstrickt wie alle.

Das Projekt soll auch eine Odyssee sein mit Landeplätzen und Begegnungen, mit temporären Gefährten aus Kunst, Literatur, Wissenschaft, Politik. Man muss alle und alles hören wollen, wenn das Wachs schmilzt. Diese Form der Annäherung an die Odyssee soll erarbeitet werden in Workshops, in denen die verschiedenen Erzählperspektiven mit verschiedenen Ausdrucksmitteln zu einem Theaterabend verdichtet werden. Es geht um szenisches Schreiben, dramaturgische Horizonte, situative und szenische Umsetzung des Erarbeiteten. Es geht um Stimmen, Köpfe, Körper. Zuletzt soll 'Minus Odysseus' im Ergebnis ein begehbares Experiment werden, ein Stück Theater auf Reisen im Kopf und den Sinnen.  Mögen die Stürme günstig sein und sich genügend finden, die Ruder zu schlagen und den Bogen der Erzählung.

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