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Jahresthema 2012/13

“ALL YOU NEED IS LOVE” (Lennon/ McCartney 1967)

„Du mir einzig bewusst, höchste Liebeslust!“

(Richard Wagner: Tristan und Isolde, 1. Aufzug/5. Szene)

Mit Tristan und Isolde greift Richard Wagner die Geschichte eines der bekanntesten Liebespaare der Literatur auf und manifestiert damit im 19. Jahrhundert das Urbild der romantischen Liebe: das der ewigen, jegliche irdische Hindernisse, ja sogar den Tod überwindenden Liebe; das der totalen Verschmelzung zweier Individuen – „ewig endlos, ein-bewusst“. Mindestens genauso bekannt, im Original und in diversen künstlerischen Bearbeitungen, sind William Shakespeares Romeo und Julia. Auch hier überlebt die Liebe der beiden trotz politisch-familiärer Feindschaft, wenn auch nur im Jenseits. Im Diesseits hat ihr Tod immerhin die Versöhnung der Widersacher bewirkt.

Das Konzept der unerfüllten Liebe, einer Liebe die in dieser Welt, in diesem herrschenden System nicht sein darf oder kann, hat bereits Walter von der Vogelweide mittelalterlich besungen: die hohe Minne, bei der die standesmäßige Unerreichbarkeit der angebeteten „frouwe“ wichtiger Bestandteil ist. Wenn auch in umgekehrt geschlechtlicher Kombination findet sich dieses Konzept z.B. in Giuseppe Verdis La traviata, in Baz Luhrmanns opulentem Musicalfilm Moulin Rouge oder in klischeehafter Hollywood-Manier beim Kinohit Pretty Woman wieder – letzteres natürlich mit Happy Ending.

Doch gibt es auch von der Liebe Enttäuschte. Der Zwerg Alberich bekommt von den Rheintöchtern zu spüren, dass er sicherlich niemals als Liebhaber in Frage kommen wird. Eine Neckerei mit weltumwälzenden Folgen, denn der Zwerg schwört der Liebe ab, reißt so das Rheingold an sich und bringt Wagners Ring des Nibelungen ins Rollen.

Und die gescheiterte Liebe? Wotan und Fricka, das Götterehepaar des Rings, haben die besten Zeiten ihrer Liebe hinter sich. Sie streiten und erinnern, ihre Göttlichkeit außer Acht gelassen, an die verfahrene Situation der zwei Protagonisten von Edward Albees Who’s afraid of Virginia Wolf?, nicht zu vergessen die grandiose Verfilmung von Mike Nichols mit Elizabeth Taylor und Richard Burton.

Die Liebe verlangt viel von einem, so wie Lohengrin von Elsa verlangt, nicht nach seinem Namen zu fragen, ihn bedingungslos zu lieben ohne etwas von seiner Herkunft, seiner Identität, seinem früheren Leben zu wissen. Die Liebe verlangt, sich auf einen anderen Menschen einzulassen, denn nur durch ein Gegenüber wird Liebe möglich. Bonnie und Clyde tun das, erkennen sich jeweils im anderen, entscheiden sich für ein gemeinsames Außenseiterleben als Kriminelle und Mörder, romantisch hochstilisiert im gleichnamigen Roadmovie von Arthur Penn.

Die Liebe ist ein Wagnis, ist eine anspruchsvolle und auch enttäuschungsanfällige Institution. Vor allem in unserer heutigen Welt der unzähligen Wahlmöglichkeiten kommt es in Sachen Liebe zu Ambivalenz und Apathie: Nicht nur der Wille zur Bindung kommt einem abhanden, sondern sogar das Begehren. Und dennoch macht die Soziologin und Autorin von Büchern wie Der Konsum der Romantik, Gefühle in Zeiten des Kapitalismus oder Warum Liebe weh tut Eva Illouz folgende Beobachtung: „Es gibt diese tiefe Sehnsucht danach, dass jemand die Einzigartigkeit unserer Existenz anerkennt. Und die Idee der Liebe ist auch deshalb so kostbar für uns, weil sie nicht eigennützig ist. Sie ist absichtslos, und genau das macht die Schönheit der Liebe aus.“

Aber was ist denn die Liebe eigentlich? Ein Gefühl? Nein, so sagt ein anderer Soziologe, ein Gefühl ist sie nicht, die Liebe, sondern eine Gefühlsdeutung, die auf Kommunikation beruht, auf Büchern oder Filmen – so der Soziologe Niklas Luhmann. Denn: „Setzt nicht die Liebe auf den ersten Blick voraus“, fragt Luhmann, „dass man auch schon vor dem ersten Blick verliebt war?“ War die träumerische, bibliophile Tatjana nicht schon verliebt, bevor sie ihren Eugen Onegin kennenlernte? Opern, Romane, Dramen, Filme und die bildende Kunst verführen uns immer wieder dazu, uns auf dieses Wagnis namens Liebe einzulassen. All You Need Is Love.

 

Anlässlich des 200. Todestages von Richard Wagner und der Kooperation des Studiengangs Maskenbild – Theater und Film mit den Bayreuther Festspielen, BF Medien findet im Wintersemester eine Vortragsreihe statt.

 

Andrea Schönhofer

Jahresthema 2011/12

Wir und die, ich und der

 

Man nimmt sich mit, wohin man geht
Ernst Bloch, Tübinger Einleitung in die Philosophie, 1963

Das übergreifende Jahresthema ist diesmal "Der Andere". Die verschiedenen Unterrichtsfächer beziehen sich in ihrer Themenstellung darauf. "Der Andere" kann Held, Verlierer, Geächteter, Außenseiter, Diktator, Fremder, Freund, Flüchtling, Narr, Opfer, Retter und Rächer sein. Jeder kann zum Anderen werden.
Die Theaterstücke William Shakespeares spiegeln die ganze Palette: Shylock, Richard III., Heinrich V., Rosalind, Othello, Lady Macbeth, Falstaff gehören dazu. Wir beschränken uns natürlich nciht auf Shakespeare. In Westernfilmen spielen Outlaw und Retter eine exemplarische Rolle. Auf der Bühne übernehmen die Perser, Parsifal, die Jungfrau von Orleans und der Andri in Frischs "Andorra" diese Rolle.
Zu Beginn des Semesters findet ein Projekttag zur Einführung statt. Dozenten stellen das Thema unter verschiedenen Apekten vor.
Angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation kann das Thema spannend und konstruktiv werden.

 

Prof. Dr. Kathinka Schreiber
Fach Semiotik

 

Im Theater ist der Andere zumeist auch der Fremde. Denn erst Fremdheit verleiht ästhetischem Schaffen innovative Kraft und überraschende Effekte. Andererseits: Wird das Andere zum Selbstzweck, zerfällt das Werk zur Belanglosigkeit und wirkt beliebig. Anhand von Texten, Inszenierungen und Kunstwerken trainieren wir unser Gespür für eine Ästhetik wirkungsvoller Andersartigkeit.

 

Dr. Daniel Hornuff
Fach Ästhetik

Jahresthema 2010/11

Jugend

Es wird das Jetzt gezeigt, dieses Jetzt. Jetzt; es hat schon aufgehört zu sein, indem es gezeigt wird; das Jetzt das ist, ist ein anderes als das gezeigte, und wir sehen, dass das Jetzt eben dieses ist: indem es ist, schon nicht mehr zu sein.

 

Georg Friedrich Wilhelm Hegel

 

Für das Studienjahr 2010/2011 wurde im Studiengang Maskenbild Jugend als Jahresthema gewählt. Die Übergangsphase Jugend kann unter verschiedenen Gesichtspunkten reflektiert, gesehen und dargestellt werden: Phase auf dem Weg zu Selbstsicht, Selbstfindung, Selbstführung, Selbstverantwortung, Selbstbehauptung. Diese Prozesse sind schwierig. Die Ergebnisse sind offen. Der Druck der Älteren auf die Lebensgestaltung der Jüngeren ist immens. Die Verklärung der Jugend findet nachträglich statt.

Die Bestandsaufnahme des Heute ist das Eine, das Andere ist, von vergangenen Zeiten einen Begriff zu haben, sich Bilder machen zu können. Für Theater, Oper und Film unerlässlich.

 

Jahresthmea 2009/10

 

Gesicht und Maske

„God has given you one face and you make yourselves another. “

Shakespeare, Hamlet

Punkt, Punkt, Komma, Strich fertig ist das Angesicht.

Wir kennen den Kindervers alle und wissen, dass er stimmt, aber nicht ausreicht, um die unendlichen Möglichkeiten des menschlichen Gesichtsausdrucks zu charakterisieren. Wir sprechen vom Charakterkopf, vom hässlichen Entlein, hexenhafte Züge, genialischem und maskenhaften Ausdruck. Metaphern zu Gesicht und Maske durchziehen unsere Sprache: Maskierung, Demaskierung, Mienenspiel, Gesichtslosigkeit, etc.

In der Schauspielkunst kommt dem individuellen Mienenspiel, stereotypischen Ausdruck, normierter Maskierung und starrer Maske enorme Bedeutung zu. Was wird versteckt und was wird gezeigt? Die Dialektik des Zeigens und Verhüllens ist spannend.

Heute denken wir Gesicht und Maske als Antonyme, für die Griechen war es begrifflich als Einheit zu denken. Das übliche Lateinische Wort für Maske war persona. Es geht also um das Verhältnis von Gesicht und Maske. Was drücke ich aus, was sieht der andere?

Die ästhetischen Vorstellungen hängen ab von Normen und Vorurteilen, bestimmen Mode und Künste. Dabei werden durchaus auch Manipulationen angewendet. Interessant ist auch die Selbstsicht der Bildenden Künstler in den vielen Selbstporträts. Sehr oft wurden Versuche gemacht aus physiognomischen Erscheinungsformen charakterliche Eigenschaften abzuleiten.

Auf der Bühne geht es auch darum, das Nichtsichtbare der Person sichtbar zu machen. Und für den Zuschauer ist bedeutsam, dass er sich bewusst ist: Der Schauspieler spielt einen anderen und ist doch meist erkennbar der bestimmte, der bekannte Schauspieler.

 

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