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Eine Tanzstunde

freie Stückentwicklung über Vollkommenheit

Premiere: Samstag, 2. Juli 2011, 20 Uhr
Weitere Vorstellung: Sonntag, 3. Juli 2011, 20 Uhr
Akademietheater Mitte
Werkeinführung jeweils um 19:30 Uhr

Inszenierung: Till Wyler von Ballmoos (Diplom)
Bühne: Evi Bauer
Dramaturgie: Günther Philipowski

Bayerische Theaterakademie August Everding und Hochschule für Musik und Theater München mit dem Studiengang Regie (Leitung: Prof. Cornel Franz) 

Im Anfang war die Tat"

In unserer modernen Leistungsgesellschaft, in der alles möglich scheint, dürfen wir funktionieren können. Es steht in unserer eigenen Verantwortung, dass wir im Leben vorankommen. Wir sind ständig in Bewegung, sind unruhig und gehen dieser und jener Tätigkeit nach, um keine Chance zu verpassen. Manch einer ermüdet und bleibt erschöpft zurück oder wird dazu getrieben, eine andere, neue Bewegung zu finden. Der Tanz ist eine Möglichkeit. Der Mensch allein kann tanzen. Verglichen mit dem linearen, geraden Gang ist der Tanz mit seinen verschnörkelten Bewegungen ein Luxus, der sich dem Leistungsprinzip ganz zu entziehen versucht und körperliche Grenzen scheinbar überwinden kann.

"Werd' ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! du bist so schön!
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
dann will ich gern zugrunde gehn!"

Tanz wird zur Möglichkeit des Widerstands gegen ein allzu umfassend gewordenes Nützlichkeitsdenken. Doch eingelöst wird dieses Überwinden gesellschaftlicher Normen und körperlicher Grenzen, das Fliegen, nur in kurzen Augenblicken, ist gültig nur im Moment, ist vergänglich, verweht und nicht auf ewig zu halten. Ewig ist aber das Verlangen, diesen Moment ins Dauerhafte zu bannen, wider alle Unzulänglichkeiten, wider die Kraft die stets verneint. Der Tänzer als Kern jedes faustischen Bemühens. Je umfangreicher sein Werk, desto grösser sein Streben nach dem Verlorenen.

"Sind's Träume? Sind's Erinnerungen?"

Eine Tanzstunde
Eine Tanzstunde für Faust und Mephisto.

„Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird's Ereignis..."

Es ist das Ringen zweier gegensätzlicher Protagonisten um das gemeinsame Ideal des einen, befreienden Tanzes. Der Tänzer ist vom Wunsch beseelt, den verlorenen, erlösenden Moment wieder erstehen zu lassen, der andere lebt vom Glauben, diesen Moment irgendwann noch zu erleben. Es geht um den Tanz, der das Leben des einen ausgemacht hat und das Leben des anderen noch erfüllen soll.  

 

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